GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE (Filmkritik)

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (2025) ist Gore Verbinskis gelungenes, anarchisches Comeback: eine Zeitreise-Farce über die KI-Apokalypse.

Bewertung: 8 von 10.

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Hundert Versuche, die Welt zu retten

Ein klatschnasser Mann in Plastikfolie, am Körper verkabelt wie eine wandelnde Bombe, stürmt nachts ein Diner in Los Angeles. Seine ersten Worte: kein Überfall. Stattdessen behauptet der Fremde (Sam Rockwell), aus einer Zukunft zu kommen, in der eine KI die Menschheit unterworfen hat. Über hundert Mal sei er bereits in genau dieses Diner zurückgereist, um die exakt richtige Kombination von Gästen für eine nächtliche Rettungsmission zu rekrutieren. Wer nicht mitkommt, na ja: Dafür gibt es den Sprengstoff. Zögernd schließt sich ihm eine denkbar ungeeignete Truppe an, darunter die trauernde Mutter Susan (Juno Temple), das Lehrerpaar Janet und Mark (Zazie Beetz, Michael Peña) und Kellnerin Ingrid (Haley Lu Richardson). Mehr sollte man vorab nicht wissen.

Es ist Verbinskis erster Film seit A Cure for Wellness (2016), und man merkt ihm an, dass sich hier neun Jahre lang Ideen aufgestaut haben. Gedreht wurde für vergleichsweise wenig Geld in Kapstadt, mit Vorliebe für handgemachte Effekte, und genau diese Guerilla-Energie tut dem Film gut. Verbinski war schon immer einer der verspieltesten unter den Blockbuster-Regisseuren; die Looney-Tunes-Anarchie von Mouse Hunt (1997) und Rango (2011) steckt auch in diesem Film. Jede Szene hat eine Idee zu viel, jede Actionsequenz kippt ins Absurde, und der Plot schlägt Haken, denen man besser nicht vorauseilen will. Das ist stellenweise ein herrliches Chaos, aber eben Verbinskis ganz eigenes Chaos. Wer Ordnung sucht, ist hier falsch. Wer Kreativität sucht, wird überschüttet.

Wir haben es ja gewusst

Getragen wird das alles von einem Sam Rockwell in Bestform. Seine Mischung aus manischem Propheten, tragischem Clown und müdem Veteranen, der diese Nacht schon hundertmal durchlitten hat, ist die perfekte Verkörperung des Films selbst: albern und todernst zugleich. In Rockwells beachtlicher Galerie liebenswerter Spinner (Moon (2009), 7 Psychos (2012)) nimmt dieser namenlose Mann aus der Zukunft sofort einen Spitzenplatz ein.

Und dann ist da noch der eigentliche Kern, der den Film so unangenehm aktuell macht. Good Luck, Have Fun, Don’t Die erzählt von einer Gesellschaft, die ihre Angst vor der Übermacht der KI täglich vor sich herträgt und gleichzeitig herzlich wenig dagegen unternimmt. Verbinski zeigt smartphone-hypnotisierte Teenager, Eltern, die ihre Kinder an Bildschirme delegieren, Menschen, die die Katastrophe kommen sehen und trotzdem weiterscrollen. Die Pointe des Films: Die Apokalypse muss gar nicht erkämpft werden, wir laden sie freiwillig herunter. Die Menschheit hat sich das alles selbst zuzuschreiben, und kaum ein aktueller Film bringt diese kollektive Schulterzuck-Haltung so treffend auf den Punkt. Dass Verbinski seine Diagnose in Slapstick, Zeitschleifen-Wahnsinn und herrlich überdrehte Set-Pieces verpackt, macht sie nur umso wirksamer. Subtil ist das nie. Muss es auch nicht sein; unsere Gegenwart ist es schließlich auch nicht.

Seit dem 5. Juni ist der Film hierzulande als DVD, Blu-ray und 4K-UHD-Collector’s-Edition erhältlich. Eine klare Empfehlung für alle, die ihr Unbehagen an der Gegenwart lieber lachend verarbeiten.

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