Split Desires – Dunkle Triebe (Filmkritik)

Kurzmeinung: Psychologisch packender Thriller mit Tiefgang.

Split Desires - Dunkle Triebe (Filmkritik)
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Der Japaner Hideo Nakata, Regisseur von RING (1998) und DARK WATER (2002), überrascht mit einem Film, der zunächst als Erotikthriller bezeichnet werden kann. In der Tat gibt es Spannung, Mord und viele Sexszenen – eine davon dauert gar mehr als acht Minuten und ist, wie man es von den Japanern meist gewohnt ist, auf ganz spezielle Art und Weise inszeniert. Doch hinter dieser Fassade lauert eigentlich ein ganz anderer Film: Es geht um dissoziative Identitätsstörung (DIS). Die Protagonistin Kyoko hat zusätzlich drei verschiedene weitere Persönlichkeiten in sich wohnen. Als 10-Jährige wurde sie von ihrem Stiefvater missbraucht, bis sie ihn eines Tages absichtlich vom Dach schupst und er stirbt. Mit der Zeit hat sie mehrere Versionen ihrer selbst erschaffen, um sich gegen dieses doppelte Trauma (Missbrauch + Mord) zu schützen.

Ein bewegendes Porträt einer gequälten Frau

Wer sich mit der DIS-Thematik etwas auskennt, der muss hier natürlich an die berühmte Geschichte des Billy Milligan aus den 1970er Jahren in den USA denken, der 24 (!) verschiedene Persönlichkeiten in sich hatte, ebenfalls als Schutzmechanismus gegen den erlebten Missbrauch in der Kindheit. Der Fall scheint Nakata für den Film beeinflusst zu haben, genauso wie er bereits auf SPLIT (2016) von M. Night Shyamalan eingewirkt hat.

SPLIT DESIRES ist ein gelungenes und bewegendes Porträt einer gequälten Frau. Kyoko, die seit ihrer Kindheit naturgemäß Männer von sich fernhält, lebt alleine in einer Wohnung in einem Apartmentkomplex, wo sie schließlich die Bekanntschaft des Schriftstellers Fuyuki Tajima macht, der eben ein Buch über ein missbrauchtes Mädchen geschrieben hat. Dieses Treffen scheint Kyoko und ihre weiteren Persönlichkeiten aus dem Gleichgewicht zu bringen und schon bald finden Mord und Totschlag Einzug in ihr Leben … Nakata ist ein intelligenter und psychologisch sowie emotional hochinteressanter Film gelungen, der die psychischen und physischen Schmerzen einer Frau zeigt, die der männlichen Liebe bis auf immer entsagen muss.

SPLIT DESIRES – DUNKLE TRIEBE

(OT: SATSUJINKI O KAU ONNA)

Regie: Hideo Nakata / Japan / 2019 / 82 Minuten

Besetzung: Rin Asuka, Kenji Mizuhashi, Hitomi Nakatani, Toshie Negishi

Produktion: Kimio Hara, Tsuyoshi Kobayashi, Yoshihiro Nagata

Verleih: Busch Media Group

(Diese Kritik ist zuerst bei DEADLINE – Das Filmmagazin erschienen)