KEEPER (Filmkritik)

Keeper (2025) von Osgood Perkins ist eine hypnotische, von düsterer Beklemmung durchtränkte Cabin-in-the-Woods-Variation, die intime Nähe in einer Beziehung zur Falle macht – getragen von Tatiana Maslanys packender Performance.

Bewertung: 10 von 10.

Szene aus dem Film Keeper von Osgood Perkins

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Vertrautes Setting, frische Ideen

Osgood Perkins’ neuster Streich beginnt wie eine klassische Variation des „Cabin-in-the-Woods“-Motivs: Liz (Tatiana Maslany) fährt mit ihrem Freund Malcolm (Rossif Sutherland) zum Jahrestag in eine abgelegene Hütte, irgendwo tief im Wald. Das Wochenende soll romantisch werden, doch von Anfang an ist klar, dass hier irgendetwas faul ist.

Perkins macht aus dieser Prämisse kein actionreiches Horrorszenario, sondern konzentriert sich vor allem auf das Setting: Kunstvolle Überblendungen, einprägsame Motive und visuelle Spielereien dominieren den Bildschirm. Der Wald um die Hütte herum ist Kulisse, aber auch Darsteller. Es wirkt, als ob er die ganze Zeit von außen in das Haus hineinblicken wollte – bedrohlich und die Intimsphäre verletzend. Die Hütte selbst ist übrigens auch ein Highlight: Ihre dreieckige Architektur (die sich Perkins vermutlich bei seinem eigenen Film Gretel & Hänsel (2020) abgeschaut hat) und die imposanten Holzwände werden zu einem unheimlichen, beklemmenden Labyrinth, aus dem es für Liz bald kein Entkommen mehr zu geben scheint …

Wie schon in Die Tochter des Teufels (2015) oder I Am the Pretty Thing That Lives in the House (2016) erzählt Perkins auch hier konsequent aus einer weiblichen Perspektive; Maslany reiht sich damit nahtlos in seinen „weiblichen Horrorkanon“ ein, der als roter Faden seiner Filmografie gesehen werden kann. Keeper funktioniert – wie so viele Perkins-Filme – erneut als dunkles Märchen, in dem das Böse als Metapher verwendet wird. In seiner Wald- und Gender-Paranoia erinnert der Film an Alex Garlands Men (2022), aber auch an den Beziehungs-Thriller What Keeps You Alive (2018) von Colin Minihan: Liebe als Falle, Intimität als Testlabor für Macht.

Abstoßende Männlichkeit?

Perkins selbst benennt den Kern des Films erstaunlich unironisch als Blick auf „disgusting maleness“, also als Studie darüber, wie hässlich Männlichkeit werden kann, wenn sie Machterhalt betreibt. Das ist wahr – aber nur die halbe Wahrheit. Denn Keeper erzählt nicht nur ein verstörendes Märchen als Kommentar auf toxische Männlichkeit, das am Ende erst so richtig Fahrt aufnimmt, sondern ist vor allem eine sehenswerte Stilübung in Sachen experimenteller Horror.

Perkins’ schlichte, aber effektive Inszenierung, die stellenweise an den enigmatischen Stil von David Lynch erinnert, wird kongenial von Kameramann Jeremy Cox ergänzt, der beeindruckende Bilder liefert. Er reiht verstörende Szenen aneinander und erzeugt gerade durch lange Überblendungen sowie übereinandergelegte Bildebenen eine rätselhafte, fast poetische Stimmung. Dabei sind Perkins und Cox auch Meister des negativen Raums; dieser wird voll ausgeschöpft, um ein Maximum an Unbehagen zu erzeugen.

Wer sich allerdings an Perkins’ Rhythmus nicht gewöhnen will, könnte in der ersten Hälfte unruhig werden: Keeper setzt radikal auf Atmosphäre, auf Auslassung, auf das leise Kippen von Normalität. (Einige Kritiken warfen dem Film entsprechend vor, seine Idee zu lange zu dehnen.) Und doch lohnt das Ausharren, weil Perkins am Ende ein Finale entfesselt, das den vertrauten Hütten-Horror tatsächlich neu sortiert. Nicht so meta wie Cabin in the Woods (2012), aber ebenso entschlossen, etwas eigenwillig Neues abzuliefern. Ein seltsam schöner, sehr origineller Film: ein dunkles Märchen, das sich leise Stück für Stück entfaltet, um dann irgendwann regelrecht zu explodieren!

(Diese Kritik ist zuerst bei DEADLINE – Das Filmmagazin erschienen)

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