INFLUENCER 2 (Filmkritik)

Mit INFLUENCER 2 ist Kurtis David Harder eine hervorragende Fortsetzung gelungen: verspielt, spannend, unterhaltsam. Und eine weitere Abrechnung mit der Fake-Welt so mancher Social-Media -Influencer.

Screenshot aus Influencer 2 mit Cassandra Naud

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Der Fortsetzung von INFLUENCER (2022) hat man im Deutschen den arg phantasielosen Titel INFLUENCER 2 (2025) verordnet; im Original trägt sie mit INFLUENCERS (2025) die deutlich stimmigere Bezeichnung. Denn allein diese kleine Verschiebung vom Singular zum Plural ist Programm: Kurtis David Harder denkt sein exzellentes Slasher-Konzept nicht einfach größer, sondern konsequenter.

Alptraum: Influencer

Dabei ist es kaum ein Spoiler, dass der Film mit einer Art „Reset“ beginnt: CW (Cassandra Naud), am Ende des Vorgängers noch auf einer Insel gefangen, ist mittlerweile entkommen und wirkt sogar… glücklich. In der französischen Provinz feiert sie mit Partnerin Diane (Lisa Delamar) ein Jubiläum, bis im Boutique-Hotel die Influencerin Charlotte (Georgina Campbell) das schönere Zimmer wegschnappt …

INFLUENCERS (2025) handelt von Menschen, deren Online-Ich und reales Begehren nicht mehr zusammenfinden. Eine Unvereinbarkeit, die Harder als zunehmend unhaltbaren Zustand unserer Gegenwart inszeniert. Das vermeintliche Postkarten-Frankreich dient zunächst als falsche Fährte, bevor der Film später wieder in Asien spielt und Erwartungen genüsslich untergräbt.

CW, das perfekte „badass girl“

Das eigentlich Perverse (und große Vergnügen) bleibt jedoch CW. Cassandra Naud trägt den Film mit derselben Mischung aus Charme, Kälte und kindlicher Kränkbarkeit wie im ersten Teil – nur eine Spur souveräner, als hätte CW selbst begriffen, dass sie eine Ikone ist. Man kann als Zuschauer kaum anders, als zeitweise auf ihrer Seite zu stehen. Der Film zwingt einen dazu: Nicht durch billige Sympathietricks, sondern weil Harder die Welt um CW herum als so performativ, so heuchlerisch und so gierig zeichnet, dass ihre Gewalt wie eine monströse, aber „logische“ Korrektur wirkt. Wer die Schnauze voll hat von Influencern in unserer Welt, sollte sich diese bitterböse Blutkur gönnen.

Harder liefert damit ein Sequel ab, das neue Wege geht und auf Augenhöhe mit dem Vorgänger bleibt. Und ja: Es würde nicht wundern, wenn er auch noch einen dritten Teil aus CW herauskitzelt. Hoffen wir’s.

INFLUENCERS

Regie: Kurtis David Harder / Kanada/USA / 2025 / 110 Minuten

Besetzung: Cassandra Naud, Veronica Long, Georgina Campbell, Jonathan Whitesell

Freigabe: 18

Verleih: PLAION PICTURES

(Diese Kritik ist zuerst bei DEADLINE – Das Filmmagazin erschienen)

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