Alptraum in Schwarz-Weiß

Ich mag Filme in Schwarz-Weiß. Sie schaffen eine gewisse Atmosphäre, die durch Filme in Farbe manchmal nur schwer erreicht werden kann. Die Verwendung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen eignet sich besonders gut für Geschichten voller Alpträume und Wahnsinn. Im folgenden Artikel teile ich mit Filmliebhabern meine ganz persönliche Schwarz-Weiß-Trilogie der Finsternis. Ich hoffe, sie inspiriert und regt an. Vielleicht versuchen ja einige, diese Filmklassiker auch zu sehen.

Ekel oder Abscheu vor der Menschheit

repulsion_polanski
Catherine Deneuve in Ekel (1965) (© Compton Films)

Der erste Schwarz-Weiß-Film dieser Trilogie ist der verstörende Klassiker Ekel (1965) von Roman Polanski mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle. Der Film zeigt auf ganz besondere Weise die Abscheu der jungen, schönen Carole Ledoux vor Männern. Die „Alpha-Rüden“ scharen sich um sie und versuchen, sie jeder für sich zu erobern. Aber sie ahnen nicht, dass diese Frau anders ist, und dazu bereit ist, sich zur Wehr zu setzen …

Der Film ist äußerst kreativ und beklemmend inszeniert. Der Schwarz-Weiß-Look verleiht ihm eine alptraumhafte Atmosphäre. Besonders eine Szene, in der viele verschiedene Hände in einem Gang nach der Frau greifen und sie betatschen, bleibt in Erinnerung! Und schließlich kann der Film nicht nur als Ekel vor Männern, sondern auch als Ekel vor der Menschheit im Allgemeinen gesehen werden. Denn auch Frauen enttäuschen Carole zutiefst!

Pi oder der menschliche Wahnsinn

pi_movie
Sean Gullette in Pi (1998) (© Artisan Entertainment)

Pi (1998) von Darren Aronofsky ist ein ganz besonderer Psychothriller. Der grobkörnige Schwarzweißfilm handelt von dem paranoiden Mathematikgenie Maximillian Cohen (Sean Gullette), der glaubt, dass man mit Hilfe von Zahlen alles in der Natur verstehen kann. Im weiteren Verlauf der Handlung wird er immer verrückter und verstrickt sich weiter in seine abstrusen mathematischen Theorien …

Der Film ist von beträchtlicher atmosphärischer Dichte. Cohen stellt die Stadien der Klaustrophobie und Schizophrenie auf körperlich intensive Weise dar. Der menschliche Wahnsinn und die Verrücktheit werden auf eine unverhohlene, faszinierende Weise gezeigt.

Pi ist definitiv einer der besten Filme von Aronofsky!

Eraserhead oder die Verlorenheit der Menschheit

eraserhead_movie
Jack Nance als Henry Spencer (Photograph: © Allstar/Cinetext/Polygram)

Eraserhead (1977) ist das erste filmische Meisterwerk von David Lynch. Es erzählt die Geschichte von Henry Spencers Vaterschaft, die ihn physisch und psychisch sehr belastet. Als das Baby stirbt, lösen sich Henrys Probleme, aber auch er selbst, auf …

Der Film hat kein wirkliches Genre. Diese Tatsache lässt ihn als ein völlig eigenständiges Werk erscheinen. Das macht es extrem schwierig, Eraserhead einzuordnen. Es ist die Rede von einer pränatalen Wahrnehmungsfantasie, einem Horrorfilm, einer makabren Komödie, einem Sozialdrama oder einem Punkfilm. Dieser sui generis-Charakter des Films mit seiner eigenen Logik und entfremdeten Welt weist direkt auf eine andere Ebene des Films hin: das Spiel mit Traum und Wirklichkeit.

Tatsächlich lässt das Spiel mit Traum und Wirklichkeit Henry verloren wirken. Die Verlorenheit der Menschheit in der Welt zeigt sich hier am Beispiel des Protagonisten. Dies wird durch die absurden Momente in Eraserhead unterstrichen, die an das absurde Theater von Eugène Ionesco oder Samuel Beckett, aber auch an Filme u.a. von Jacques Tati erinnern. Die Absurdität des Films macht ihn an manchen Stellen extrem komisch. Die teilweise naive und ungeschickte Verkörperung von Jack Nance erinnert auch an Stummfilmkomiker wie Harry Langdon.

Eraserhead ist eine Schwarz-Weiß-Erfahrung für sich! Tauchen Sie in David Lynchs Gedanken ein, wenn Sie sich trauen!

© 2022 – Privacy Policy